Dienstag, 13. Januar 2015

Die große Arbeitsmarktlüge ”Fachkräftemangel”

Arbeitgeber in Deutschland suchen händeringend nach Arbeitern. Es gäbe einen Fachkräfte- und Arbeitermangel, heißt es. Eine Fachkraft ist übrigens zum Beispiel schon eine Mitarbeiterin bei Burger King. Hauptsache ist, dass ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in den zahlreichen Debatten beschworen wird. Es wird sogar über Rekordbeschäftigung gesprochen.

Parallel dazu suchen qualifizierte Arbeiternehmer verzweifelt einen Job. Viele sind zudem bereit, weit unter ihrer Qualifikation zu arbeiten, für niedrige Löhne, damit sie nur eine Beschäftigung bekommen.

Arbeitgeber behaupten, dass die Arbeitnehmer in Deutschland nicht die Qualifikationen besitzen, die sie benötigen. Man fragt sich, was das denn für Qualifikationen sind, die man unter über 2,7 Millionen Arbeitslosen und weiteren fast eine Million Unterbeschäftigten angeblich nicht findet. Anscheinend kann man sich diese Qualifikationen auch nicht aneignen, obwohl im 21. Jahrhundert Arbeitsprozesse sehr mechanisch und repetitiv ablaufen.

Arbeiter müssen importiert werden?

Die einzige Lösung, die Arbeitnehmer und ihre Unterstützer sehen, ist, passende Arbeitnehmer zu importieren. Selten wird in diesem Zusammenhang erwähnt, dass Arbeitgeber nicht bereit sind, aus welchen Gründen auch immer, Arbeitnehmer adäquat zu kompensieren. Deshalb sind Menschen aus dem Ausland, mit limitiertem Aufenthalts- und anderen Rechte für solche offene Arbeitsstellen eher geeignet als Inländer.

Der demografische Wandel ist ein Fakt. Im Moment gibt es für viele dieser offenen Stellen jedoch genug Arbeitnehmer im Inland, die man beschäftigen könnte. Mit gut ausgebauten Trainingprogrammen kann man die meisten Tätigkeiten effizient erlernen.

Macht der Arbeitgeber – Machtlosigkeit der Arbeitnehmer

Die ständigen Bestätigungen, dass es zahlreiche offene Arbeitsstellen gibt, aber gleichzeitig Menschen, die verzweifelt nach einer Arbeit suchen und nicht eingestellt werden, verstärkt das Gefühl der Machtlosigkeit der Arbeitsuchenden und wirkt sich negativ auf deren Psyche aus, während sie die Macht der Arbeitgeber untermauern.

Bildungsstand steigt kontinuierlich

“In the 1930s hardly any manual labor jobs required a high school diploma. By the early 1980s, the majority of skilled manual jobs required a diploma for entry, and about a quarter called for some post-secondary certification. […] Even to push a broom in a steel mill, you now need to have a diploma […]. The credential society has definitely arrived.”

D.W. Livingstone, Autor und Professor an der Ontario Institute for Studies in Education, Universität von Toronto, behauptet, dass man inzwischen sogar einen Abschluss bräuchte, um in einer Stahlmühle kehren zu dürfen. Während Arbeitnehmer fehlende Qualifikationen beklagen, steigt der Bildungsstand tatsächlich kontinuierlich. Von Schülern wird immer mehr erwartet. Kinder kommen früher in frühkindliche Erziehungsmaßnahmen. Immer mehr Schüler machen z.B. das Abitur und immer mehr Menschen nutzen Weiterbildungsangebote.

Ähnliche Entwicklungen sehen wir in anderen Ländern wie den USA. Obwohl Weiterbildung dort mit extrem hohen Kosten verbunden ist, investieren viele in solche Maßnahmen – auch, wenn es nur darum geht, die Arbeitslosigkeitsphase zu überbrücken.

Qualifikationen helfen aber wenig, wenn eine strukturell chronische Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung vorliegt, die es in fortgeschrittenen industrialisierten Ländern laut D.W. Livingstone seit 1970 gibt. Fakt ist, dass es weniger Arbeitsstellen gibt als Absolventen, die die zahlreichen Bildungseinrichtungen produzieren. Deshalb führen Abschlüsse, Trainingszertifikate und Kredentialien nicht unbedingt zu einer adäquaten Beschäftigung.

Wenn Arbeitnehmer trotz fleißiger Qualifikationen und Weiterbildung keine adäquate oder, wie in vielen Fällen, auch nur “irgendeine” Stelle finden, reden sich Verantwortliche aus der Situation heraus in dem sie behaupten, dass (hoch-)qualifizierte Absolventen die “falschen” Abschlüsse hätten. Auf dem Arbeitsmarkt scheinen Arbeitsuchende nicht gewinnen zu können. Egal was sie tun.

Niedriglöhne trotz Berufsausbildung und Vollzeitbeschäftigung

Die schlechte Arbeitsmarktlage, zumindest aus der Sicht der Arbeitnehmer, spiegelt sich überdies in den Löhnen wieder. Das Einkommen ist zwischen 2012 (36 897) und 1998 (36 780) kaum gestiegen. Im Durchschnitt werden nur noch 60% der Beschäftigten in Westdeutschland und 48% in Ostdeutschland nach Tarif bezahlt. Es gibt 1,3 Millionen “Aufstocker.” Ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland beziehen einen Niedriglohn von weniger als 9,54 Euro brutto pro Stunde, obwohl 80 Prozent der Geringverdiener eine Berufsausbildung haben. Das Niedriglohnrisiko ist “zwischen 2001 und 2011 am stärksten für Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung […] und nach Arbeitszeitform für Vollzeitbeschäftigte” gestiegen.

Das sind kaum die Zustände, die man mit einer “guten Arbeitsmarktlage” verbindet. Wenn es Arbeitskräftemangel in dem Ausmaß, wie behauptet wird, gäbe, müssten Arbeitgeber die Löhne erhöhen und eventuell auch weitere Anreize bieten, damit sie den Wettbewerb um die angeblich knappen Arbeitskräfte gewinnen können.

Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit sind für viele Betroffene mit immensem Leiden verbunden.

“The current employment situation entails an enormous waste of resources and an unacceptable level of human suffering. It has led to growing social exclusion, rising inequality between and within nations and a host of social ills. It is thus both morally unacceptable and economically irrational. –Michael Hansenne, Director-General, International Labor Office, 1995, 93.”

Dieses Statement gilt zwanzig Jahre danach genauso wie 1995. Arbeit ist nicht nur ein Mittel, um den Lebensunterhalt zu sichern. Sie ist ebenso ein wichtiger Teil der Identität. Wenn Arbeitsuchende, egal was sie tun, nicht in der Lage sind, eine mehr oder weniger adäquate Arbeit zu finden, ist das menschliche Leiden enorm.

Ohne Arbeit und realistische Entlohnung ist die Teilhabe vieler Menschen am gesellschaftlichen Leben gefährdet. Wenn so viele Menschen aus ökonomischen Gründen am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben können, ist auch die Demokratie gefährdet.
Zukunft der Arbeit: weniger Arbeitsstellen

Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass Politiker und andere Verantwortliche eine Lösung für das Leid vieler arbeitsloser und unterbeschäftigter Menschen finden werden. Zugegeben, die Lösungen für das Problem „Knappheit von Arbeit“ ist nicht einfach, da es in Zukunft eher sogar noch weniger als mehr Arbeitsstellen geben wird. Das Erkennen dieses dringenden Problems und eine ehrliche Debatte darüber wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber nicht einmal das findet statt. Stattdesssen rühmen sich viele Politiker und andere Verantwortliche mit einem täuschenden Bild von der Situation, die sie und die Medien zu verantworten haben.

In einer Demokratie sollte es um die Interessen des Volkes gehen. Die Staatsgewalt, also die Macht, sollte vom Volke ausgehen. Leider hat der heutige Arbeitsmarkt kaum etwas mit einer Demokratie zu tun. Investoren und ihre Interessenvertreter haben die Macht und der Durchschnittsbürger muss sich ihren Interessen unterordnen, weil ihm nichts anderes übrig bleibt. Es gibt wenig Aussicht, dass der Status quo sich in der nahen Zukunft ändern wird.

Freitag, 21. November 2014

Verinnerlichter Rassismus

„Verinnerlichter Rassismus ist das bewusste oder unbewusste Akzeptieren von rassistischen Einstellungen der dominanten Kultur, von Stereotypen und Vorurteile gegenüber einer ethnischen Gruppe. Es führt dazu, dass Mitglieder der betroffenen Gruppe (Minoritäten) im Einklang mit den Vorurteilen denken, fühlen und sich so verhalten, dass dies zur Diskriminierung, zum Kritisieren, zum Fehler finden und Hassen der eigenen Gruppe (sich selbst) und gleichzeitig zum Wertschätzen der dominanten Kultur (ihre Unterdrücker*) führt.”

Dies sagt die Fachliteratur über das Phänomen des verinnerlichten Rassismus aus.

In einem Gespräch mit Peter Voss hatte Frau Necla Kelek behauptet, dass „der Islam, so wie er ist, […] nicht ein Teil Deutschlands” sei, „aber die Muslime vielleicht […].”

Es sei dahingestellt, dass Frau Keleks Aussage schon rhetorisch wenig Sinn macht. Wie sollen zwar die Menschen, die einer Religion angehören, „ein Teil Deutschlands“ sein, ohne dass aber auch ihre Religion „ein Teil des Landes” sein soll?

Frage, ob Islam zu Deutschland gehört, setzt bereits eine gewisse Feindseligkeit voraus

Auch inhaltlich macht die Infragestellung, ob eine anerkannte Religion zu Deutschland gehört, wenig Sinn. In der Form, wie diese Frage im Allgemeinen diskutiert wird, setzt sie bereits eine gewisse Feindseligkeit gegenüber dem Islam voraus. Etwas anderes wäre es zum Beispiel, wenn diese Auseinandersetzung auch das Christentum, Judentum und andere Religionen einschließen würde, was aber hier nicht der Fall ist.

In den vermeintlich überlegenen „westlichen Gesellschaften“ mit einer „demokratischen Grundordnung”, die Frau Kelek immer wieder hervorhebt um die Überlegenheit der deutschen gegenüber „islamischen“ Werten zu betonen, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass alle Religionen dazu gehören.

Zwangsassimilation von Muslimen?

Aus den vielen Aussagen von Frau Kelek, wie in diesem Interview, geht deutlich hervor, worum es ihr eigentlich geht: die Ausgrenzung von Menschen, die sich zum Islam bekennen; eine Einstellung, die eindeutig auf rassistischem Gedankengut basiert. Frau Keleks Aussagen klingen oft so, als wenn sie am liebsten eine „Zwangsassimilation“ einführen möchte, die sie dann als „gelungene Integration” bezeichnen würde.

Ob so oder so: Egal wie „gut“ sich die Menschen „Islamischen Glaubens“ assimilieren, für Menschen wie Frau Kelek wird es niemals genug sein, denn das eigentliche Problem liegt woanders…

Wenn die Unterdrückten sich auf die Seite ihrer Unterdrücker stellen

Fragen wir uns doch, warum Menschen wie Frau Kelek einer Kultur oder einer Religion, die immerhin auch ihre eigenen Wurzeln ausmachen, so feindselig gegenüberstehen können.

Eine Erklärung kann das Phänomen Verinnerlichter Rassismus (Englisch internalized racism oder internalized oppression) liefern. Ein Gebiet, in dem bisher leider nicht viel geforscht wurde, das aber ein wichtiger Aspekt und Konsequenz von Rassismus ist.

Was ist verinnnerlichter Rassimus?

Auch Betroffene können Stereotype und Vorurteile gegenüber der eigenen „Gruppe“ (unbewusst) annehmen und sie verinnerlichen. Das heißt, sie können rassistische Einstellungen gegen Menschen einer „Gruppe“, zu denen sie selbst gehören, entwickeln; sie können dieser Gruppe feindselig gegenüberstehen und sie diskriminieren. Da Rassismus auf einem willkürlich konstruierten „Wissen“ beruht, das wenig mit Logik zu tun hat, sind derartige Reaktionen von Betroffenen nicht ungewöhnlich.

Wie Betroffene mit ihrem verinnerlichten Rassismus umgehen, bleibt ihnen überlassen. Da verinnerlichter Rassismus aber ein Phänomen ist, das Betroffene eventuell nicht selbst erkennen können, wäre eine gesellschaftliche Aufklärung von größter Bedeutung.

Unterdrückung der Frau dem Islam eigen? –Frauen zur Führung des Haushaltes verpflichtet; Ehemann kann die Stelle seiner Frau kündigen


“§ 1356. (1) [1] Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. [2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.”

Ungleiche Behandlung und Unterdrückung der Frau ist ein weitverbreitetes Phänomen, das seit Jahrhunderten auch in Westeuropa existiert. In Deutschland, zum Beispiel, war eine Frau bis 1977 zur „Führung des Haushalts verpflichtet“ und erwerbstätig durfte sie nur sein, wenn dies mit ihren „Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war.

Auch die Benachteiligung der Frau in Glaubensbüchern ist nicht dem Islam eigen, sondern betrifft zum Beispiel auch das Christentum und das Judentum. Von entwürdigender Behandlung von Frauen in säkularisierten Gesellschaften ganz zu schweigen. Wenn man Religionskritik in Hinsicht auf die Benachteiligung der Frau betreiben möchte, ist deshalb angebracht, entweder alle Religionen einzubeziehen oder gar keine. Den Islam, besonders im derzeitigen, besonders feindseligen politischen Klima ständig hervorzuheben, als ob dieser etwas „Besonderes” in dieser Hinsicht wäre, führt zur Ausgrenzung von Menschen, die sich zu der Religion bekennen; sprich, ist rassistisch.

Gleichberechtigung durch Aufklärung anstatt Ausgrenzung

Benachteiligung der Frau ist ein über Jahrhunderte hinweg in vielen Gesellschaften konstruiertes und aufrechterhaltenes Phänomen. Der Status quo kann aber durch intensive Aufklärungsarbeit und progressive Gleichstellungspolitik verbessert werden.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Ziel, das von allen Seiten erkämpft werden muss, ohne das Thema zu ethnisieren und in rassistisches Gedankengut zu verfallen.

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*Die Begriffe „Unterdrückte“ und „Unterdrücker“ wurden hier von der Fachsprache übernommen und sollen in diesem Artikel auf keinem Fall auf einen Opferstatus von Betroffenen hinweisen.

Freitag, 11. Juli 2014

Meinungsäußerung als Straftat?

Der ehemalige Gouverneur von Montana, Brian Schweitzer, deutete neulich an, dass sich die Senatorin Diane Feinstein in einer CIA-Spionageaffäre wie eine Prostituierte verhalten habe. Sie sei die Frau gewesen, die neben einer Straßenlaterne mit über die Knie gezogenem Kleid gestanden habe und nun behaupte, sie sei eine Nonne, sagte Schweitzer. Als Antwort bezeichnete der Repräsentant von Colorado, Mike Coffmann, Brian Schweitzer als einen „sexistischen Drecksack". Eine strafrechtliche Verfolgung kam in keinem der beiden Fälle in Frage, weil diese Äußerungen durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt sind.

Fall Norbert Müller

Das Recht auf freie Meinungsäußerung sollte laut Artikel 5 des Grundgesetzes auch in Deutschland gewährleistet sein. Dass dies aber nicht immer der Fall ist, wurde besonders im aktuellen Fall des linken Landtagsabgeordneten Norbert Müller illustriert. Auf die Äußerungen des Bundespräsidenten Joachim Gauck über deutsche Militäreinsätze - Deutschland müsse notfalls militärische Mittel einsetzen - hatte ihn der Landtagsabgeordnete auf Facebook "widerlichen Kriegshetzer" genannt.

Originallink: http://www.huffingtonpost.de/alev-dudek/meinungsaeusserung-als-straftat_b_5568135.html

Montag, 7. Juli 2014

Extremistische Rekrutierungen—Zusammenleben, Rechtstaatlichkeit und Demokratie

New York Times berichtet, dass laut US Nachrichtendienste, seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien mindestens 70 amerikanische Staatsbürger fragwürdig aus den USA nach Syrien gereist sind oder reisen wollten, um eventuell dort zu kämpfen. (“At least 70 Americans have either traveled to Syria, or tried to, since the civil war started three years ago, according to the intelligence and counterterrorism officials.”) 

Mehr dazu: http://i-blogger.de/die-jugend-den-extremisten-entreissen-aber-wie/


Freitag, 9. Mai 2014

Antimuslimische Stereotypen als Sicherheitsrisiko

In einem neulich in Spiegel veröffentlichten Artikel (http://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreicher-salafisten-koedern-mädchen-fuer-dschihad-a-965741.html) wird deutlich, dass Stereotypisierung und Vorurteile nicht einmal in Bezug innere Sicherheit halt machen: in diesem speziellen Beispiel ist die Rede ist von zwei Muslima aus Österreich, 15- und 16-Jahre alt, die vermisst werden. Laut der Spiegel  hätten sich die beiden Mädchen angeblich „normal“ angezogen und sind somit nicht aufgefallen. Man hat deshalb anscheienend nicht erwartet, dass die zwei Jugendliche eine Verbindung zu Djihadisten haben könnten. Die Frage die man sich hier stellen sollte ist: was ist das Bild auf das in diesem Artikel bezug genommen wird? Kopftuch? Hijab? Nun stelle man sich vor, was das umgekehrt bedeuten würde—wenn jemand ein Kopftuch trägt oder ein Hijab.  

Lassen Sie uns in diesem Artikel über die Bilder von Muslimen, die die Medien disseminieren, diskutieren und später darauf eingehen, warum limitierte Denkweisen die innere Sicherheit gefährden kann.  

Moslems in den Medien

„Ausrutscher“ wie diese, in der Spiegel sind leider keine Einzelfälle. Vorurteile über Moslems sind in den Medien weitverbreitet. Muslime werden nicht nur oft negativ (http://www.dw.de/klischeebilder-muslime-in-deutschen-medien/a-16770350) sondern auch stereotypisch (http://mediendienst-integration.de/integration/medien.html) dargestellt, als ob alle Muslime oder auch nur die extremistischen unter ihnen (gegeben, dass hier das Eine von dem Anderen überhaupt unterschieden wird), eine homogene Gruppe mit verbindlichen Merkmalen darstellen würden.  Oft wird nicht einmal zum Beispiel zwischen Türken, Moslems, Arabern oder Terroristen unterschieden. Sie werden alle in einem Topf geworfen und auf diesem Niveau finden viele Begegnungen statt. Auch wenn viele Vourteile nicht offen ausgesprochen werden: Wenn man genau hinhört, kann man sie sehr leicht herausfiltern.

Ausrutscher wie der oben gennante sind sehr aussgekräftig (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-07/bilder-muslime-medien/seite-2). Sie sind aber auch nur die Spitze des Eisberges und reflektieren das un(selbst)zensoriertes Unterbewusstsein. Medien disseminieren, verstärken und verfestigen Vorurteile; auch wenn sie sie vielleicht nicht (immer) kreieren:

"Allahs rechtlose Töchter. Muslimische Frauen in Deutschland" – so titelte Deutschlands auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL im November 2004 und präsentierte in einem 34-seitigen Themenschwerpunkt das traumatische Schicksal einzelner muslimischer Frauen [...] Mit dem Cover [...] reproduzierte der SPIEGEL das historisch tradierte und nach wie vor dominante Stereotyp der unterdrückten Muslimin. Die Analyse über einen längeren Zeitraum zeigt, dass sich bei der medialen Darstellung muslimischer Frauen durch fortwährende Wiederholung mit geringer Variation ein bestimmtes Muster herausgebildet hat, dessen sich beispielsweise auch das Magazin "stern" mit seiner Titelstory "Frauen im Islam" vom Juli 2010 bediente.“ (http://www.deutsche-islam-konferenz.de/DIK/DE/Magazin/IslamGender/StereotypMuslima/stereotypmuslima-node.html)

Vorurteile, Stereotypen und innere Sicherheit

Lassen Sie uns nun besprechen, warum solche Bilder nicht nur zu einer ungesunden Gesellschaft führen, sondern auch eine Gefahr für die innere Sicherheit bedeuten können.  

Hier ein Beispiel: das Attentat der Sauerlandgruppe konnte durch die Hilfe der Vereinigten Staaten verhindert werden. Man frage sich wie stereotypisch einige der  Anführer dieser Gruppe waren. Ferner, stellen sie sich vor, sie würden einer extremistischen Gruppe angehören. Wenn sie erkannt haben, dass nach stereotypischen Personen ausschau gehalten wird,wie würden Sie ihre Rekrutierungstrategie ändern? Das einfachste wäre, sie würden jemand rekrutieren der nicht auffällt, in dem Fall wäre es zum Beispiel eine Frau die „nicht Muslimisch aussieht“—ein weisser Deutscher, ein englischer oder norwegischer Mann. Auf weitere Details wird hier nicht eingegangen, in der Hoffnung, dass dieses Beispiel aussagekräftig genug sein dürfte. In Hinsicht auf Kampf gegen Extremismus oder Terrorismus, ist es wichtig so fortschrittlich und differenziert wie möglich zu denken.

Eine starke Gesellschaft durch Zusammenhalt und Zusammenarbeit

Wie die FBI zum Beispiel nach 9/11 es vorgemacht hat, die moslemische Community muss im Kampf gegen Extremismus einbezogen werden, besonders in dem Fall, dass es um Extremismus innerhalb der einenen Community geht. Denn Mitbürger aus der Community können Informationen liefern, an die man sonst sehr schlecht herankommt. Einigen aus der Community fallen die Extremisten eventuell auf. Man muss eine Beziehung zu diesen Communities aufbauen, damit man die Informationen die man braucht, auch bekommt. Durch Diskriminierung und Respektlosigkeit gegen die Community wird man an die Information kaum kommen können.

„Teile und herrsche“—der grösste Schaden kann an einer Gesellschaft zugefügt werden, wenn man sie teilt. Wenn friedliche Menschen unterschiedlicher Religionen gegeneinander kämpfen, gewinnen nur die Extremisten, die dem Rechtsstaat und Demokratie schaden wollen. Sie können nur dann gewinnen wenn eine Gesellschaft gespalten und geschwächt ist und wenn Menschen die zueinander halten sollten, gegeneinander kämpfen.  

Stereotypische Bilder, die die Medien verbreiten, schaden der Gesellschaft nicht nur in der Hinsicht, dass sie ständig betonen, dass die Muslime nicht zu uns gehören und somit diese Menschen Diskriminierung, Marginallization erfahren, sondern senden auch unbeabsichtigte Messages an Muslime: dass sie nicht zu uns gehören. Man sollte sich dann nicht zu sehr wundern wenn einige Muslime sich dann so verhalten, wie wenn sie wirklich nicht zu uns gehören würden.

Einigung auf Grundwerte—Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Gleichberechtigung, gegenseitiges Respekt

Die Kriege der Zukunft werden anders aussehen als in der Vergangenheit. Im Kapf gegen Terrorismus wird nicht mehr gegen mehr oder weniger identifizierbare Staaten, sondern gegen Zellen gekämpft. Zellen die sich beliebig, jederzeit und überall formen können; auch im Landesinneren. Man kann sie weder effektiv verbieten noch einfach bekämpfen. Exklusion ist ein Nährboden für den Extremismus, und jeder Art von Exklusion—sei es religiös, wirtschaftlich, sozial und vieles mehr—nicht nur eine  Einstellung, sondern auch eine grössere Gefahr für die Demokratie und Rechtsordnung denn je.   

Eine der Lösungen für das Problem wäre, dass nachdem man sich als Gesellschaft auf einige wichtige Werte wie Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Respekt, Akzeptanz, Gerechtigkeit, Moral und Gleichberechtigung geeinigt hat, diese positive Werte dann vorlebt; zusammenhält, ohne Angst und Paranoia, und hofft dass die Vorgelebten Ideale überzeugen werden; was höchtswahrscheinlich auch eintreffen wird. Denn am Ende des Tages, sind alle Menschen grundsätzlich gleich: sie wollen friedlich zusammenleben, in einer Gesellschaft, wo  sie respektiert werden; eine Gesellschaft die ihnen faire Chancen auf ein menschenwürdiges Leben bietet.

Freitag, 14. März 2014

Pädophilie in Deutschland

Pädophilie ist ein Thema, worüber wir bisher wenig wissen – und im Regelfall auch gar nichts wissen wollen. Das Thema löst bei vielen Menschen sehr starke emotionale Reaktionen aus, die von Ablehnung und Verdammung bis hin zu Zwangskastrationsvorschlägen oder Mordfantasien reichen können. Berichte von Betroffenen zeigen, dass sogar Psychologen mit dem Thema überfordert sein können und somit eventuell Gelegenheiten verpassen, mögliche Übergriffe auf Kinder zu vermeiden.

Eine wissenschaftliche und nüchterne Diskussion ist aber unerlässlich. Denn mit bloß emotionalen Reaktionen und durch Verweigerung, sich mit dem Thema objektiv auseinanderzusetzen, wird keinem Kind geholfen.

Pädophilie in Deutschland

Laut Statistiken liegt der Anteil der Pädophilen in Deutschland bei ca. 0,7 - 1%, d.h. es gibt ca. 200 000-250 000 Pädophile in der Bevölkerung. Inklusive der Dunkelziffer dürften die Zahlen sogar leider noch viel höher liegen.

Was ist Pädophilie?

Pädophilie bezeichnet die sexuelle Erregbarkeit durch das präpubertäre kindliche Körperschema. Unterschiedliche Informationen gibt es in der Literatur in Hinsicht auf das Alter der Kinder. Vorwiegend wird von Kindern zwischen fünf bis 14 Jahren ausgegangen. In erster Linie aber zählt der Entwicklungsstand des Kindes und nicht das Alter.

Personen, die sich von Kindern und Jugendlichen, deren körperliche Entwicklung bereits Merkmale der Pubertät aufweist, sexuell angesprochen fühlen, werden Hebephile genannt. Laut Klaus Beier vom Berliner Universitätsklinikum Charité, sei der Pädophile „für seine Neigung genauso wenig verantwortlich zu machen wie ein Homo- oder Heterosexueller”. Wegen seiner sexuellen Fantasien könne man niemanden verurteilen, auch keinen Pädophilen – eine Aussage, die zwar für nachvollziehbare Empörung sorgt, aber insofern etwas für sich hat, dass bloße Gedanken und Fantasien in einem freien Gemeinwesen noch keine Sanktionen nach sich ziehen können.

Wissenschaftler sind nicht im Einklang darüber, wie hoch der prozentuelle Anteil von Pädophilen unter den Tätern bei Sexualdelikten gegen Kinder ist.

In diesem Zusammenhang ist es aber auch wichtig, zwischen Pädophilie, Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung zu unterscheiden. Denn das Eine ist nicht unbedingt identisch mit dem Anderen. Pädophilie führt nicht automatisch zum Kindesmissbrauch und nicht jeder Kindesmissbrauch wird aus pädophilen Neigungen heraus begangen. Dies bestäigt auch Frau Ursula Enders, die die Beratungsstelle „Zartbitter” in Köln leitet. Neben Kindesmissbrauch ist auch Kindesmisshandlung ein schwerwiegendes Problem worauf Frau Enders in einem Interview mit der Tagesschau aufmerksam macht.

Obwohl die meisten pädophilen Männer im Laufe ihres Lebens übergriffig werden, würden „viele Fälle von Kindesmissbrauch nicht von Pädophilen begangen”. Ausserdem, gäbe es Kindesmisshandlungen etwa zehnmal so oft wie Kindesmissbrauch. „In Deutschland werden pro Jahr ein bis zwei Kinder aus sexuellen Motiven getötet, aber etwa 100 aus nicht-sexuellen Motiven.“ Die mediale Aufmerksamkeit sei im Fall des sexuellen Kindesmissbrauchs jedoch überproportional.

Was tun?

In Deutschland gibt es bereits ein Vorzeigeprojekt mit dem Namen „Kein Täter werden“, das zum Ziel hat, Betroffenen dabei zu helfen, ihr Verlangen und ihr Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt. Erfahrungen aus dem Projekt sollen gezeigt haben, dass „viele Menschen, die durch Kinder und/oder Jugendliche sexuell erregbar sind, motiviert werden können, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.“ Im Laufe der Therapie soll bei einem Großteil der Projektteilnehmer eine Abnahme problematischer Einstellungen erreicht worden sein.

Zusätzlich läuft aktuell eine Studie „Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 21 Mio. Euro gefördert wird. Studien wie diese dürften weitere Informationen liefern, um Präventionsmaßnahmen zu verbessern.

Zum Schluss soll erwähnt werden, dass Projekte wie „Kein Täter werden“ ausgebaut werden sollten und durch Aufklärung zumindest insoweit eine Enttabuisierung des Themas erreicht werden sollte, damit alle Gefährdeten erreicht werden können und allen Beteiligten geholfen werden kann.

Originallink: http://i-blogger.de/paedophilie-was-tun-mit-250-000-paedos/

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Deutschland ist bei der Antidiskriminierung noch ein Entwicklungsland

Das AGG wurde in Deutschland nur eingeführt, weil die EU es verlangt hat. Verinnerlicht hat die Politik den Gedanken dahinter immer noch nicht.

Am 25.3.2013 hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundesrat eine Kleine Anfrage über ethnische und rassistische Diskriminierung in Deutschland (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/129/1712919.pdf) an die Bundesregierung gerichtet.  Diese verfolgte das Anliegen, den weit verbreiteten Mangel an Anti-Diskriminierungsmaßnahmen zu durchleuchten und zu ergründen. Hier soll nun die Antwort auf diese Kleine Anfrage analysiert werden, mit dem Ziel, eine Verbesserung des Status quo durch zeitgerechte Vorgehensweisen zur Verminderung und Verhinderung von ethnischer und rassistischer Diskriminierung anzustoßen.
Die Bundesregierung bestätigt, dass Diskriminierungserfahrungen die Integrationsbereitschaft und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsgeschichte beeinträchtigen.  

Wichtige Fakten, wie dass und vor allem, wie alarmierend hoch der Bedarf für Aufklärungs- und Anti-diskriminierungsmaßnahmen ist, erwähnt die Regierung in ihre Antwort aber selbstverständlich nicht. Warum in dieser Hinsicht so wenig getan wird, auch nicht.

Denn im Gegensatz zu „Integrationsmaßnahmen“ sind die Ressourcen, die in Anti-Diskriminierungsmaßnahmen gesteckt werden, sehr gering und extrem ineffizient. Politisch gesehen ist das verständlich, denn Anti-Diskriminierungsmaßnahmen sind sehr umstritten. Solche Maßnahmen setzen immerhin voraus, dass man die dominante Kultur, ihre Privilegien und ihren Einfluss auf die gesamte Gesellschaft durchleuchtet und hinterfragt. Es setzt auch voraus, dass man sich kritisch mit den eigenen Vorurteilen und Voreingenommenheiten auseinandersetzt - also keine leichte Aufgabe. Besonders nicht in Deutschland, wo so viel Nachholbedarf besteht. Es ist politisch viel sicherer und deshalb auch viel bequemer, sich über „Integration“ (auch wenn damit im Grunde genommen Assimilation gemeint ist) zu unterhalten und dementsprechend Maßnahmen zu treffen, die das Objekt—die vermeintlich zu Integrierenden—und deren Verhalten in den „Mittelpunkt“ rücken lassen.
„Integration“ ist offenbar wichtiger als Antidiskriminierung

Die Bundesregierung behauptet, dass „[…] weitere Maßnahmen bei Bedarf“ ergriffen werden sollen. Wenn das der Fall sein sollte, dann wäre man in Deutschland damit beschäftigt, überall Anti-Diskriminerungsstellen zu errichten, Mitbürger über ihre Rechte aufzuklären und sie zu ermutigen, das Recht auf Gleichberechtigung einzuklagen. Ein Zustand, der eindeutig sehr fern von der Realität liegt. Ganz im Gegenteil: Die Befürchtung, dass Menschen ihre Rechte einklagen, ist sehr präsent und wird auch eindeutig kommuniziert. Es gibt sogar Fälle, in denen das Einklagen von Rechten als Zeichen fehlender „Integrationsbereitschaft“ interpretiert wird.
In Deutschland wird an Anti-Diskriminierungsmaßnahmen nur so viel umgesetzt, wie nötig ist, um die von der EU aufgezwungenen Vorgaben zu befriedigen; also nur das Minimum tun und so wenig wie möglich negativ auffallen. Eine angemessene Bemühung, Diskriminierung auf dem Niveau zu verhindern, wie dies dem Ausmaß der tatsächlich vorhandenen Diskriminierung in Deutschland entsprechend der Fall sein müsste, ist nicht zu erkennen. Die Realität ist, dass Deutschland auch international einen sehr schlechten Ruf in Hinsicht auf Rassismus und Diskriminierung hat. Täuschungsmanöver in dieser Hinsicht werden weiterhin wenig helfen. Wenn der Status quo und somit auch das Ansehen Deutschlands in dieser Hinsicht verbessert werden sollen, muss da schon sehr viel mehr gemacht werden.  

Mehr dazu: http://i-blogger.de/deutschland-ist-bei-der-anti-diskriminierung-noch-ein-entwicklungsland/